Zur missionarischen Pastoral

Raisting, St. Johannes der Täufer

Kirche St. Johannes der Täufer in Raisting; Foto: I. Berger; Lizenz: CC BY-SA 3.0; Quelle: Wikimedia Commons

Das Wort „Mission“ hat für viele Menschen einen negativen Beigeschmack. Noch mehr gilt dies für das Verb „missionieren“: „Willst du mich etwa missionieren?“ ist die empörte Zurückweisung eines Versuchs, jemandem die eigenen Überzeugungen nahezubringen. „Mission“ verbindet man häufig mit Intoleranz und aufdringlichem Bekehrungseifer.

Und doch können wir Christen auf Mission – Sendung – nicht verzichten, denn sie ist uns von Jesus Christus selbst aufgetragen. „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch“, sagt der Auferstandene zu seinen Jüngern (Joh 20,21). Und: „Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt 28,18-20).

Wir sind gesandt, die Frohe Botschaft in Wort und Tat zu verkündigen. Das verbindet uns mit allen Gläubigen durch die Jahrhunderte. Allerdings hat sich die Situation in unserer Gesellschaft gewandelt: Es ist längst nicht mehr selbstverständlich, einer Glaubensgemeinschaft anzugehören. Das Christentum ist eine Option unter vielen. Nicht so sehr die Stimme der „Institution Kirche“ ist gefragt, sondern das glaubwürdige persönliche Zeugnis. Die Gesellschaft ist aufgeteilt in viele Milieus, die sich hinsichtlich Ästhetik, Lebensgefühl und Werten unterscheiden.

Wenn sich die Gesellschaft wandelt, muss sich auch die Art und Weise der Sendung der Kirche verändern. Manche Konzepte und Strukturen, die in der Vergangenheit angemessen waren, sind überholt. Neues muss erst ausprobiert werden. In der Abteilung „Pastorale Grundaufgaben“ im Erzbischöflichen Seelsorgeamt initiieren und unterstützen wir missionarische Projekte. Zudem versuchen wir, neue Initiativen bekannt zu machen. Das Blog Sende-Zeit soll einen Beitrag dazu liefern.

An dieser Stelle wollen wir weder eine ausführliche Abhandlung über die missionarische Pastoral vorlegen noch eine Definition. Vielmehr sollen einige Stichworte verdeutlichen, was wir meinen.

  • „Andersorte“ und neue Gemeindeformen
    Ergänzend zu den Pfarrgemeinden werden andere Orte für die Glaubenskommunikation wichtiger; Orte, an denen die Kirche bisher noch nicht präsent ist. In der Erzdiözese Freiburg und in anderen Bistümern gibt es hier bereits positive Erfahrungen, z.B. „Kirche im Europapark“, das Projekt „Kirche in virtuellen Welten“, die Bildungsangebote der „Theologie vom Fass“ o.ä. Die Reihe „IMPULSE für die Pastoral“ des Erzbischöflichen Seelsorgeamtes hat in der Ausgabe 1/2014 solche „Andersorte“ in den Blick genommen. Außerdem initiiert und begleitet die ökumenische Initiative „fresh expressions“ an verschiedenen Orten Initiativen, die neue Formen gelebten Glaubens neben den traditionellen Gemeinden ermöglichen.
  • Diakonische und missionarische Pastoral:
    Der Einsatz für Arme und Benachteiligte, für Gerechtigkeit und Frieden sowie die Verkündigung des Evangeliums gehören untrennbar zusammen. Schon in seiner ersten Predigt „lässt Jesus die großen Themen anklingen, die seine Sendung bestimmen und die spätere Mission der Kirche grundieren: frohe Botschaft für die Armen, Heilung für die Kranken sowie Freiheit und Befreiung” (Die Deutschen Bischöfe, „Allen Völkern Sein Heil. Die Mission der Weltkirche”, DBK Schriften 76, S. 36). Diese Frohbotschaft, die uns in die Nachfolge ruft und in diese Welt sendet, wird durch das Zeugnis in Tat und Wort konkret: „heilend, versöhnend, Beziehung stiftend, Gottes Nähe bezeugend, zur Umkehr rufend” (Vgl. Pastorale Leitlinien der Erzdiözese Freiburg Nr. 3.3). Den Zusammenhang von diakonischem und missionarischem Handeln zeigt auch Papst Franziskus in seinem Apostolischen Schreiben Evangelii gaudium auf.
  • Lebens- und Glaubenszeugnisse („Testimonials“):
    Ob die Verkündigung des Evangeliums unter den veränderten gesellschaftlichen Bedingungen gelingt, hängt entscheidend von glaubwürdigen und erkennbaren Glaubenszeugen ab. Hier sind alle Gläubigen, Priester und Laien, Haupt- und Ehrenamtliche gefragt. Den eigenen Glauben in einer zuweilen gleichgültigen oder ablehnenden Umgebung zu bezeugen, stellt hohe Anforderungen an die Sprach- und Dialogfähigkeit. Die kirchlichen Fachstellen können diese mit Angebote zur Glaubenskommunikation unterstützen.

Dabei ist festzuhalten, dass Mission keine „Einbahnstraße“ ist: Wir Christen können in der Begegnung mit Anderen (auch mit Nichtchristen und Nichtgläubigen) Gott neu erfahren: „Jedes Mal, wenn wir einem Menschen in Liebe begegnen, werden wir fähig, etwas Neues von Gott zu entdecken“ (Papst Franziskus, EG 272).

Links:

  • Die Diözesanversammlung hat im Mai 2014 einige Empfehlungen zur missionarischen Pastoral verabschiedet. Sie sind hier als PDF-Datei abrufbar.
  • Das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken unterstützt missionarische Projekte und Initiativen. Beispiele sind hier veröffentlicht.