„Unsere Kirche ist keine Torte – eher Knäckebrot“

Dom zu Stockholm

In der Kathedrale St. Erik, Stockholm

Als Referentin des Diözesan-Bonifatiuswerkes der Erzdiözese Freiburg besuchte ich zusammen mit 31 Kolleginnen und Kollegen vom 14.-19. April fünf katholische Gemeinden, eine katholische Schule und eine Hochschule sowie und drei Klostergemeinschaften in Schweden. Gemeinsam mit dem Generalsekretär des Bonifatiuswerkes Georg Austen und dem Präsidenten des Werkes Heinz Paus wollten wir uns ein Bild von der Katholischen Kirche Schwedens mit ihren Chancen und Herausforderungen machen.

Zur Situation der Katholiken in Schweden:

  • 80% haben Migrationshintergrund und kommen aus 90 Nationen. 2013 kamen 80 000 Flüchtlinge nach Schweden. Seit 2014 sind es 3 000 pro Monat. Auf die Frage warum es hier den Flüchtlingen gegenüber weniger Anfeindung gäbe als in Deutschland antwortet die Äbtissin des Klosters in Mariavall Mutter Thyra: „Es gibt hier viel Gegend, das Land ist groß“.
  • Katholiken machen 1,15 % der Bevölkerung aus, das sind unter 9,6 Millionen Einwohner etwa 110 000 registrierte Katholiken.
  • 164 Priester betreuen die Großraumseelsorgeeinheiten.

Damit keiner alleine bleibt auf seinem Glaubensweg, unterstützt das Bonifatiuswerk als Hilfswerk für den Glauben 20 Projekte (im Jahr 2014) in Schweden. Dabei handelt es sich um Hilfen bei Kirchenbauten bis hin zum Einrichten von Praktikantenstellen. Hier können junge Menschen in oder nach der Ausbildung oder dem Studium Erfahrungen in einer Werkstatt, einem Second-Hand-Laden oder in einer Schule machen. Theologiestudierende haben die Möglichkeit, an der einzigen katholischen Universität des Nordes, dem Newman-Institut in Uppsala, zu studieren. Auch lutherische Theologiestudierende suchen hier einen Teil ihrer Ausbildung.

Die Benediktinerinnen von Mariavall und Omberg sowie die Birgittinnenschwestern in Vadstena berichten von großem Interesse, das ihnen, ihrer Lebensweise und ihrem Glaubensleben entgegengebracht wird. Menschen auf der Suche verbringen eine Zeit in der Gemeinschaft, um sich über ihren Lebensweg Klarheit zu verschaffen. Religiöse Angebote für Menschen aus allen Teilen der Gesellschaft zu unterbreiten, Suchende zu begleiten und für Menschen Zeit zu haben, dies ist den Klostergemeinschaften ein großes Anliegen. Besonders aber liegen ihnen die Integration und die Sorge um die vielen Flüchtlinge am Herzen.

Die schwedische Kirche ist eine arme Kirche in einem reichen Land. Sie ist aber reich an engagierten Menschen. In Lund zum Beispiel entstand eine katholische Schule durch die Initiative von fünf Eltern. Sie ist jetzt schon zu klein und muss ausgebaut werden, da sie nicht nur von katholischen Familien geschätzt wird. Die katholische Kirche Schwedens wächst ständig, nicht nur durch Zuzug von Migrantinnen und Migranten, sondern auch durch Erwachsene, die sich taufen lassen. Sie hat eine starke Anziehung und wird als gastfreundlich, fröhlich und kommunikativ beschrieben. Dies sind nun nicht gerade Attribute, die in unserem Land häufig als Charakteristika der katholischen Kirche genannt werden.

Schwedenreise des Bonifatiuswerkes 2015

Die Reisegruppe des Bonifatiuswerkes

Was macht die schwedische Kirche so attraktiv, und können wir davon etwas lernen? Was macht sie zu einem Ort, an dem Suchende aus allen Teilen der Gesellschaft andocken, an dem Flüchtlinge sich gleich nach ihrer Ankunft melden und um Aufnahme bitten? Was macht sie zu einer Gemeinschaft mit vielen Konvertiten und Katechumenen?

Ich denke, die Willkommenskultur ist in dieser Kirche sehr ausgeprägt, und eine Pastoral des Zeithabens, der Achtsamkeit und des Interesses am anderen ist hier sehr spürbar. Und nicht zuletzt ist die Gastfreundschaft ganz groß geschrieben. Es geht nichts über eine Tasse Kaffee mit Zimtschnecke, was ein wichtiges Moment in der Pastoral der schwedisch-katholischen Kirche darstellt. Dadurch wird eine Erzähl- und Mahlgemeinschaft gepflegt, die unterschiedliche Kulturen und Mentalitäten miteinander ins Gespräch bringt. Glaubens- und Lebensfragen werden dabei geteilt. Auch die Inkulturierung von Menschen unterschiedlichster Nationalitäten, die der schwedische Staat mit Sorgfalt betreibt, mag hier das Seine dazutun. Alle sprechen schwedisch miteinander.

Ökumene ist in Schweden nicht nur ein Wort, sondern eine Lebensart. Die Kirchen und Religionsgemeinschaften helfen einander nicht nur aus, wenn Not an Räumlichkeiten auftritt, sondern pflegen auch das intensive Gespräch untereinander. Hierbei geht es dann um Hilfe für den Menschen und weniger um Strukturen oder einer Betonung des Unterschiedes.

Ja, Mutter Thyra hat recht: Die katholische Kirche in Schweden ist keine Torte, die beschwert, sie ist nahrhaftes Knäckebrot, das Kraft gibt für einen gemeinsame Weg.

Link: Online-Tagebuch der Schwedenreise des Bonifatiuswerkes

Bildnachweis: Kathedrale St. Erik: Bonifatiuswerk; Gruppenfoto: Lena Reiher