10.06.2011

Der Papst und… Ralf

Papst Benedikt XVI.Mit Blick auf den Besuch von Papst Benedikt XVI. vom 22. bis zum 25. September in Deutschland haben wir katholische Bloggerinnen und Blogger eingeladen, einen Gastbeitrag zum Thema “Der Papst und ich” zu veröffentlichen. Es geht um Fragen wie: Wie stehe ich zum Papst, welche Erlebnisse und Erfahrungen verbinde ich mit ihm, welche päpstlichen Impulse und Stellungnahmen sind mir wichtig geworden? Aber auch: Welche Fragen bzw. Anfragen oder welche Wünsche habe ich an ihn? Heute schreibt Ralf, Autor von Pax et Bonum.

Wieder zum Glauben gefunden habe ich Ende des letzten Jahrtausends mit Anfang 20, mein katholisches Bekennerschreiben findet sich ja schon hier. Als ich glauben konnte, daß Jesus von den Toten erstanden war und jetzt lebt, mußte ich mich fragen, ob ich denn als rheinischer Katholik überhaupt in der richtigen im Sinne von „wahren“ Kirche war oder doch woanders hingehörte (weil sich die Wahrheit vielleicht woanders fand).

Nach einigem Lesen von Kirchenvätern war mir klar, daß eine hierarchische Struktur der Kirche sich von Anfang an ausbildete, daß bspw. die frühen Bischöfe letztlich über den Umfang der Bibel entschieden, daß ihre Lehren konstitutiv für das Ausdrücken und Verstehen des Glaubens sind (die Dreifaltigkeit ist nur ein Beispiel davon).

Dabei spielte auch der Bischof von Rom eine bedeutende Rolle, auch wenn die in Ost und West unterschiedlich interpretiert wird bis heute. Mich hat die westliche Ansicht einfach überzeugt, zuletzt sogar immer mehr – und die einheitsstiftende Funktion des römischen Bischofs besonders in der Lehre ist nun einmal unübersehbar (und fehlt meines Erachtens auch im Osten, was zu unterschiedlichen Verständnissen bspw. der Sakramente zwischen den verschiedenen Ostkirchen führt).

Ein „Papist“, also glühender Verehrer des Papstes, von welchem auch immer, bin ich dabei nie geworden. Ich halte ihn einfach für nötig und sein einheitsstiftendes Amt für gottgewollt. Grundsätzlich bin ich der Meinung, daß die Katholische Kirche am ehesten dem entspricht, wie Jesus sich Seine Kirche wünscht (und deswegen ist sie auch Seine Kirche, wenn auch die „societas perfecta“, perfekte Gesellschaft, nur bei Gott in der Gemeinschaft der Heiligen zu finden ist).

Der Papst hat eine eminent wichtige Aufgabe. Dabei weiß ich nicht, ob in den Augen Gottes meine Berufung im Leben weniger eminent ist, meine Gedanken sind ja nicht Seine Gedanken. Aber ich habe Kompetenzen als Christ und Laie, in die kann mir kein Papst reinreden und er hat genauso die seinen, wo es meinerseits Anmaßung wäre als klüger aufzutreten. Es käme mir nie in den Sinn ihm vorzuschreiben oder rumzukritisieren wie er sein Amt ausübt, und er schreibt mir genausowenig vor, wie ich bspw. meine Vaterrolle oder meinen Arztberuf ausübe. Der Anspruch der Berufung zur Heiligkeit ist ja uns beiden gegeben. Das führt natürlich (hoffentlich) zu Konsequenzen, aber die Détailfragen klären er für sich und ich für mich, nach möglichst intensiver Schulung des Gewissens.

Als Laienfranziskaner ist es mir zudem aufgegeben, zur Erneuerung der Kirche beizutragen. Mir ist es immer unverständlich geblieben, wie jemand die subjektiv am besten empfundene Erneuerung von anderen fordert, ohne selbst schon diese Erneuerung geworden zu sein (Stichwort Berufung zur Heiligkeit). Wahrscheinlich wußte das der größte Kirchenkritiker der Geschichte, der Hl. Franziskus von Assisi, auch – und hat deswegen die Kirche nie kritisiert und hatte eine kindliche Zuneigung zum Papst.

Der Papst und ich – ich wünsche dem jetzigen, den ich für einen sehr guten halte, daß ihm mal gesagt werden wird: „Sehr gut, du bist ein tüchtiger und treuer Diener. Du bist […] ein treuer Verwalter gewesen, ich will dir eine große Aufgabe übertragen. Komm, nimm teil an der Freude deines Herrn!“ (Mt 25,21).

Und, ganz unbescheiden, für mich hoffe ich das auch.

Ralf ist Arzt, ist verheiratet, hat eine Tochter. Er ist Laienfranziskaner (Noviziat seit Dezember 2010). Seit Mitte 2003 bloggt er unter der Adresse paxetbonum.de.

Wenn Sie katholischer Blogger oder katholische Bloggerin sind und sich an der Serie “Der Papst und ich” beteiligen möchten, dann nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf: medienpastoral@seelsorgeamt-freiburg.de.
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Hinweis der Redaktion: In unregelmäßiger Folge bitten wir Gastautorinnen und -autoren um Beiträge für unseren Blog. Diese Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.

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