In ZEHN Wörtern sich dem Wesen des Christentums nähern – geht das? Ein Kölner Internet-Projekt probiert es. Ein Gastbeitrag von Bernhard Riedl, Erzdiözese Köln.
Seit ein paar Wochen laden wir von DIALOG + VERKÜNDIGUNG (Referat im Erzbistum Köln) zur Teilnahme an einem kleinen Projekt ein: Interessierte Menschen jeglicher geistlicher Orientierung können auf www.zgwdc.de ihre ZEHN großen Wörter des Christentums hinterlegen; und wir machen am Ende (also nach Ostermontag 2012) was daraus – irgend eine Auswertung, vielleicht eine Übersicht, einen Zeitschriftenartikel, einen Trendreport, eine Postkarte, ein Plakat. Wer neben seinen ZEHN Wörtern auch seine E-Mail-Adresse hinterlässt, wird auf jeden Fall informiert. Was zunächst wie ein Wort-Spiel anfängt, kann unversehens zu einer geistlichen Übung, einem Exerzitium geraten.
10 Wörter, das ist nicht viel – viel weniger als das Credo und auch noch viel weniger als das Vater Unser. Während einige stöhnen, ZEHN seien viel zu wenig, finden einige, um das Wesentliche des Christentums auszusagen, brauche es nicht so viele Worte. Eines genüge, wusste ein Diskutant auf facebook. Ich bin fast sicher, dass der nicht jenes Wort gemeint hat, das diese Woche eine Besucherin auf www.zgwdc.de zehn Mal eingetragen hat: Barmherzigkeit. Mir hat das gefallen, weil es ein Wort ist, das rein semantisch ja eher wenig Spezifisches über das Christentum, über Christsein aussagt. Wer aber Barmherzigkeit in allen Lebensbereichen übt, wird irgendwann unweigerlich nach seiner Grundhaltung, nach seiner Wurzel, nach seiner Motivation und Perspektive gefragt werden. Und dann könnte in einer Antwort durchaus auf das Lebensbeispiel Jesu verwiesen werden, aber auch auf die große biblische Tradition im Alten Testament: Dort werden Barmherzigkeit und Gerechtigkeit nahezu als Synonyme verwendet, um jene Haltungen und Verhältnisse zu benennen, die als Antwort auf Jahwes Liebe und Nähe zum auserwählten Volk entsprächen. Damit ist billiges Mitleid ebenso kategorisch ausgeschlossen wie Mitleiden (compassion) eingefordert.
Es kommt also wirklich nicht auf das Wort und seine (An)Zahl an, wenn es darum geht, Rechenschaft von der eigenen Hoffnung zu geben (vgl. 1 Petr 3,1). Andererseits kommt der Glaube an Jesus nicht ohne das Wort aus, er nimmt im Hören seinen Anfang. Deswegen besteht das Evangelium nicht aus Lehrtexten, sondern aus Geschichten. Geschichten kann man gut zuhören, Geschichten kann man sich merken, Geschichten kann man leicht erzählen. Geschichten sind immer konkret, weil sie von Personen und Ereignissen erzählen.
Wirklich gute Geschichten lassen sich letztlich auch immer auf einen Punkt bringen, auf einen Kern reduzieren, in einem Wort ansagen. Es lohnt sich, das mit den Jesusgeschichten einmal auszuprobieren. Auch ein schöner Weg, um ZEHN große Wörter des Christentums zu generieren. Das kann man allein machen. Aber auch zusammen mit anderen.
PS: Neben einigen Tausend Wörtern haben wir auch eine ganze Reihe Mut machender Rückmeldungen über das Formular auf www.zgwdc.de bekommen; sie finden sich auf dieser Webseite.
Bernhard Riedl ist seit 1984 theologischer Referent im Erzbistum Köln, zur Zeit beschäftigt er sich vorwiegend mit Fragen der Mitgliederkommunikation und mit Projekten auf neuen Wegen der Verkündigung: Wie und wo erreichen wir die Katholiken, die keinen oder nur wenig Gebrauch von ihrer Kirchenmitgliedschaft machen? Er ist Redaktionsmitglied von www.pfarrbriefservice.de und nimmt kommissarisch die Aufgaben eines Beauftragten für Sekten- und Weltanschauungsfragen wahr.
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Hinweis der Redaktion: In unregelmäßiger Folge bitten wir Gastautorinnen und -autoren um Beiträge für unseren Blog. Diese Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
Geschrieben von: Gastbeitrag
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